SICHERHEIT SPECIAL:Einbruch, Diebstahl,Trickbetrug
Schmuck- und Uhrenbranche hat besonders hohe SicherheitsbedürfnisseFrankfurt, Sonntagmorgen 9:00 Uhr. Mit einem schwarzen Geländewagen vom Typ Nissan Terrano mit verstärktem „Kuhfänger“ rammen vier Täter die Panzerglasscheibe eines Juweliergeschäfts in der Kaiserstraße. Generalstabsmäßig wird die Auslage geplündert. Die Täter entkamen mit Beute im Wert von 750 000 EUR in einem zweiten bereitgestellten Fluchtwagen, vermutlich ein VW-Passat. Berlin, Kurfürstendamm, ein frostiger Wintermittag. Genau um 12:30 Uhr betreten drei mit Schals und Mützen vermummte Männer den Laden. Der mittlere schlägt blitzschnell mit einem Vorschlaghammer auf zwei Ausstellungsvitrinen im Ladenlokal ein. Seine beiden Komplizen räumen die Vitrinen leer. Ein vierter Täter wartet in einem Audi A6 mit laufendem Motor vor dem Geschäft. Erbeutet wurden 210 000 EUR. Kiel, in der Nacht zum Samstag geht bei der Kieler Feuerwehr ein Alarm ein. Brand in der Fußgängerzone. Ein Rüstfahrzeug, ein Einsatzfahrzeug mit Drehleiter, zwei Löschgruppen und die Mobile Einsatzleitung rücken aus. Vor Ort sehen sie, dass dichter Rauch aus einem Juweliergeschäft quillt. Unter schwerem Atemschutz kämpfen sich die Einsatzkräfte vor. Es erregt natürlich keinerlei Argwohn, als noch ein Löschfahrzeug der Freiwilligen Feuerwehr dazustößt. Am Tag nach dem Brand stellt sich heraus: Es war Brandstiftung. Das Feuer in der Goldschmiedewerkstatt wurde gelegt. Die nachträglich angerückten Feuerwehrleute waren nicht echt. Sie erbeuteten Schmuck und Edelsteine im Wert von 600 000 EUR.
Drei nüchterne Zahlen aus der Kriminalitätsstatistik, drei Fälle von dreistem Raub bei Juwelieren, drei vom Schicksal schwer gezeichnete Facheinzelhändler und Goldschmiede. Und die Zahlen in der Kriminalitätsstatistik weisen nach oben. „Juweliere und Goldschmiede geraten immer stärker in das Blickfeld von Einbrechern, Dieben und Trickbetrügern“, weiß der Bonner Unternehmensberater und Sicherheitsexperte Rainer von zur Mühlen. Ihn beunruhigt vor allen Dingen, dass die Dunkelziffer sprunghaft ansteigt. „Das ist vor allen Dingen bei Trickbetrügern und Internet-Betrügern der Fall“, hat der Bonner Sicherheitsguru ermittelt.
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 |  | | Durchschnittlich verursacht ein Einbruch einen nachfolgenden Umsatzausfall von 25 000 bis 40 000 EUR im Facheinzelhandel. Der Schaden durch Beschädigung, Vandalismus und die geraubten Güter kommt noch hinzu. Ein ausgefeiltes Sicherungskonzept kann diesen finanziellen Schaden vermeiden helfen. | Die Alarmzentrale darf nicht zu leicht zugänglich sein. Eine Sicherung durch ein abschließbares Stahlgehäuse empfiehlt sich. | Der Ladeninhaber sollte die Statusanzeige mit allen Sicherungs- und Alarmsystemen im Umfeld seines Arbeitsplatzes anbringen lassen, so dass er sie während des Arbeitsalltags gut im Blick behalten kann. | |
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Neue Betrugsformen entwickeln sich raschIm Jahr 2005 waren Juweliere vor allen Dingen vom Internet-Betrug massiv betroffen. Rund 15 Prozent der Facheinzelhändler arbeiten mit Online- Banking. Sie gerieten in das Visier der so genannten Passwort-Fischer, abgekürzt: Phischer. Die gehen mit unverhohlener Frechheit vor und schicken dem Juwelier eine Electronic Mail, die angeblich von seiner Hausbank stammt. Per Mail wird der Juwelier aufgefordert, eine bestimmte Internet-Seite angeblich seiner Bank anzuklicken, deren Verbindungsdaten freundlicherweise gleich mitgemailt wurden. Es sei zu Unregelmäßigkeiten beim Online-Banking gekommen, deshalb sei leider eine Sicherheitsabfrage unumgänglich, damit Internet-Banking auch weiterhin sicher sei. Auf der angeblichen Web-Seite seiner Hausbank soll der Juwelier dann seine Kontonummer, eine persönliche Identifikationsnummer und eine Transaktionsnummer eingeben, um angeblich eine neue Liste mit Transaktionsnummern anzufordern, weil das die Sicherheit erhöht. Die Diebe greifen diese persönlichen Daten ab und räumen damit das Konto des Juweliers per Online-Banking leer. „Mit Trickbetrügereien haben Juweliere es schon seit vielen Jahren zu tun“, meint Sicherheitsexperte von zur Mühlen. Aber mit den Internet- Betrügereien des vergangenen Jahres, zielgerichtet bei Juwelieren eingesetzt, haben die Betrüger nach seinem Dafürhalten eine neue Qualität erreicht. Wie bei jeder Art von Trickbetrug, hilft auch hier nur eines: Wachsam und kritisch sein, keine per Electronic Mail zugeschickten Links auf angebliche Web-Seiten der Hausbank folgen, sondern die Internet-Adresse fürs Online-Banking immer manuell eingeben. Und bei jeder Unregelmäßigkeit sofort die Bank benachrichtigen.
Die Devise heißt Abschreckung Wie bei allen Verbrechen hilft auch hier nur Abschreckung. Die Täter müssen auch beim versuchten Online-Betrug das Gefühl bekommen, dass sie entdeckt werden. Mit dem Einsatz von Protokollierungssoftware ist das auch möglich. Abschreckung ist auch bei den brutalen Raubmethoden angesagt. Erscheinen Diebe mit dem Vorschlaghammer, um die Vitrinen eines Juweliers auszurauben, helfen Videoüberwachung und stiller Alarm, die Diebe rasch zu stellen. Einbrecher lassen von ihren Plänen durchaus ab, wenn sie sehen, dass die mechanische Sicherung fast unüberwindbar ist, eine Einbruchmeldeanlage ihnen nicht viel Zeit fürs Ausräumen lässt und die Videoüberwachung sie identifizierbar macht. Der Geländewagen als Rammbock erweist sich als stumpfe Waffe, wenn fest installierte oder hochfahrbare Poller zusätzlichen Schutz geben. Bei der Genehmigung solcher Sicherheitseinrichtungen sind, wie der Fall des Juweliers Ronald Sedlatzek aus Berlin bewiesen hat, die Behörden mitunter unverständig und vernagelt. Nachdem Juwelier Sedlatzek von einer dramatischen Zunahme bei den so genannten Rammbock-Einbrüchen gelesen hatte, ersuchte der Juniorchef des alteingesessenen Familienunternehmens in Berlin das zuständige Bezirksamt um die Erlaubnis, Poller aufstellen zu dürfen. Das Amt lehnte ab. Poller würden die Fußgängerwege verschandeln, lautete die Begründung. Dann brach eine osteuropäische Diebesbande bei Juwelier Sedlatzek ein – mit einem Geländewagen, mit der Rammbockmethode. Der wandte sich nochmals an das Bezirksamt, das brauchte einige Monate für die erneute Bearbeitung, lehnte wiederum ab und Sedlatzek wandte sich an den Bauausschuss des Senats. „Wir wollen weder Poller noch einen Wassergraben auf dem Kudamm haben“, lehnte Lokalpolitiker Roland Thiel von Bündnis 90/Die Grünen den Plan des Juweliers ab. SPD-Bauexpertin Monica Schümer- Strucksberg riet Sedlatzek, doch ein Auto direkt vor sein Schaufenster abzustellen. Das böte ausreichend Schutz und Poller seien dann entbehrlich. Der Berliner Kampf um die Poller geht weiter.
Sicherungskonzepte müssen abgestimmt sein „Hier muss das Sicherungskonzept mit der Verwaltungsspitze schon bei der Ausarbeitung abgeklärt werden, damit im Falle des Falles der Objektschutz seine Arbeit auch wirklich wahrnehmen kann“, rät Rainer von zur Mühlen. Alarmierungspläne, mechanische Einbruchsicherungen, Einbruchmeldeanlagen, so genannte Monitoring- und Überwachungssysteme und „Katastrophenübungen“ müssen in ein einheitliches Sicherungskonzept eingearbeitet werden. „Wachdienst, Objektschutz und Mitarbeiter müssen einmal im Jahr gemeinsam für den Fall der Fälle trainieren“, fordert von zur Mühen. Denn vom richtigen Verhalten bei einem Überfall, nach einem Einbruch oder während eines versuchten Trickbetruges hängt alles ab. So haben Ladendiebe im vergangenen Jahr mehr als 2,2 Milliarden EUR aus Geschäften gestohlen. Die Hälfte der Diebstähle hätte verhindert werden können, wenn das Verkaufspersonal entsprechend geschult gewesen wäre. Das geht aus der Ladendiebstahlstudie im Auftrag des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels hervor.
„Mit Trickbetrügereien haben Juweliere
es schon seit vielen Jahren zu tun“  |  |  |  | | Die Übertragungswege für einen Alarm müssen redundant ausgelegt sein. Eine Standleitung über den Anschluss des Kassenterminals und eine zusätzliche ISDN-Verbindung tun hier gute Dienste. Mitunter empfiehlt sich die zusätzliche Übertragung über das Mobilfunknetz. | Die Bewegungsmelder müssen einzeln zu schalten sein, so dass der Bewegungsmelder in der Werkstatt schon aktiv und scharf geschaltet ist,während die Bewegungsmelder im belebten Ladenlokal noch unscharf bleiben müssen. | Heulen und Blinken muss es, wenn ein Einbrecher sich an seine böse Tat macht. Der Abschreckungseffekt eines lauten Alarms darf Experten des Landeskriminalamtes Bayern zufolge nicht unterschätzt werden. | An einer extra gesicherten Nebentür zum Laden angebracht, erlaubt der Steuerungskasten dem Inhaber ein unkompliziertes Scharfschalten aller Systeme mit einem kleinen Funkempfänger, wenn er abends das Geschäft verlässt und die Rollgitter heruntergefahren hat. |
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Alarmanlagen sind eine Sache der Profis Aber nicht nur Training und Schulung ist einer der Bereiche, die in den Sicherungskonzepten für Juwelierläden und Goldschmieden zu stiefmütterlich behandelt werden. Schon allein bei der Auswahl der Alarmeinrichtungen gehen einige Firmeninhaber mit geradezu sträflichem Leichtsinn vor. „Juweliere und Goldschmiede brauchen bei Einbruchmeldeanlagen und anderer Sicherheitstechnik die höchste Sicherungsklasse, genauso wie Banken“, hebt Sicherheitsexperte Martin Hering hervor. „Sicherungsklasse 6 muss schon sein“, meint der Sicherheitstechniker aus Kornwestheim bei Stuttgart. Die Einbruchmeldeanlage sollte Hering zufolge mindestens mit Magnet- und Riegelkontakten an Türen und Fenstern, Bewegungsmeldern und einer versteckten Alarmvorrichtung für einen so genannten „stillen Alarm“ ausgestattet sein. Alarmdrähte im Schaufenster dürfen nicht mehr als 15 mm Abstand haben, und die Wände, Decken und Böden müssen gegen Durchstieg gesichert sein. „Wichtig ist auch der redundante Übertragungsweg im Alarmfall“, erklärt Hering. Eine virtuelle Standleitung und ein zweiter Alarmweg über ISDN sollten ausreichen. In einigen Fällen empfiehlt Sicherheitsspezialist Hering allerdings auch noch eine zusätzliche Alarmmöglichkeit über das Mobilfunknetz. „Das muss aber im Einzelfall vor Ort entschieden werden“, sagt Hering. Enge Abstimmung mit dem Wachdienst und Objektschutz, bei dem die Alarmmeldungen auflaufen, und ein gemeinsam erarbeiteter und verabschiedeter Alarmplan, der für die unterschiedlichen Bedrohungsszenarien
und Sicherheitslagen klare Handlungsanweisungen vorsieht, sind ebenfalls unentbehrlich. „Die Abläufe muss jeder Mitarbeiter wissen“, meint Sicherheitsexperte Rainer von zur Mühlen. „In Banken läuft dieser Trainingsbereich vorbildlich, Juweliere haben da offensichtlich noch einen großen Nachholbedarf“, weiß der Bonner Unternehmensberater aus der Praxis. Und solange Juweliere und Goldschmiede hier noch nachhinken, profitieren Diebe, Einbrecher und Trickbetrüger.
Peter Welchering