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BeitragVerfasst: 29.03.2007, 08:05 
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Herr Dr. Erhard Brepohl, Partner des Schmuck-Forum,
steht unseren Besuchern bei Fragen Rede und Antwort...

Liebe Forengemeinde ,

jeder der sich mit der Herstellung von Schmuck beschäftig kommt früher oder später um den Brepohl - dem wohl bekanntesten Goldschmiedebuch () nicht drum herum. Herr Erhard Brepohl hat sich und seine Bücher im sehr ausführlich Vorgestellt. Dort sind auch schon einige Fragen aufgetaucht die er sehr gewissenhaft beantwortet hat. Damit alle Fragen an Ihn gezielter gesammelt werden können, starte ich mal diesen Sammel-Thread. Egal ob es um Fragen geht die in seinen Bücher nicht behandelt wurden oder Fragen wo es einfach nur hoch interessant wäre die Meinung von Deutschlands wohl bekanntesten Goldschmied zu hören, hier könnt Ihr sie stellen.

Also, los geht‘s mit Euren Fragen...

Lieben Gruß
Adminy

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Verfasst: 29.03.2007, 08:05 


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BeitragVerfasst: 12.12.2007, 16:09 
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Also... ich hätte da gleich mehrere Fragen, allerdings mehr zum Buch über Theophilus Band II.

Ich interessiere mich sehr für alte Schmucktechniken und so ist der Presbyter ja quasi DAS Buch für mich neben den wenigen anderen Quellen, die es für historische Techniken gibt.

Was mich total wurmt ist die Goldschmiedesäge.... nirgends ein Beleg dafür, aber es gibt so feine Blecharbeiten von der Antike an, die mich zweifeln lassen, das die nur irgendwie ausgestanzt oder ähn. sind.
Gibts es irgendwelche Anhaltspunkte dafür, dass es so feine Sägeblätter oder Ersatzmittel gab, die das Ausarbeiten feiner Verzierungen möglich gemacht haben? Wenn ich z.B. ins Röm-Germ. Köln gehe und dort Fibeln sehe die feine Durchdruchsarbeiten haben, dann ist es mir ein Rätsel wie das gemacht wurde...weil ich mir vorstelle, dass "Ausstanzen" das dünne Blech zu stark verformen würde.

Dann gibts es im Presbyter einen kleinen Verweis auf Treibkitt, aber es gibt keine Fund für eine Kittkugel, jedenfalls ist mir leider keiner bekannt. Es mutet sehr wahrscheinlich, dass es trotzdem welche gegeben hat, da sie einfach praktisch ist...
Wie steht es mit der Belegbarkeit dieser Hilfe?

Dann habe ich mit einem Bekannten die Diskussion gehabt über das Schlefen emaillierter Stücke.
Der Presbyter gibt die Anleitung des Schleifens und Polierens, aber soweit ich mich erinnere nicht zur Glanzbrennung.
Wir haben also die Frage, ob das Glanzbrennen etwas modernes ist, oder ob beide Sachen nebeneinander existierten.
Ein tolles Buch, Farbiges Gold beinhaltet Nahaufnahmen der Emailstücke aus der Domschatzkammer Essen, die den Schluss naheliegen das wohl nicht nachgebannt wurde, aber viele Stücke der Antike und des Mittelalters sind ja Bodenfunde, die Korrosion aufweisen und deren Oberläche leider nichts mehr aussagt.

Also ich könnte noch viel mehr fragen....

vielleicht eine Sache noch... :flower:

wie wahrscheinlich ist eine Oberflächenfärbung von Tauschierungen? Es ist immer wieder eine Diskussion zwischen den Vertretern "alles blank" und "natürlich haben die das gebläut".
Kann man da irgendetwas zu sagen? Leider sind ja alle tauschierten Bodenfunde sekundär duch das Erdreich oxidiert und haben ein Bild von gefärbten Tauschierungen mitgeprägt. Ich persönlich finde ja, je nachdem wo, beides schick, aber Geschmack ist ja kein Beweis...

:flower:


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BeitragVerfasst: 15.12.2007, 13:04 
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Silberfeilung
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Nina hat geschrieben:
Was mich total wurmt ist die Goldschmiedesäge.... nirgends ein Beleg dafür, aber es gibt so feine Blecharbeiten von der Antike an, die mich zweifeln lassen, das die nur irgendwie ausgestanzt oder ähn. sind. Gibts es irgendwelche Anhaltspunkte dafür, dass es so feine Sägeblätter oder Ersatzmittel gab, die das Ausarbeiten feiner Verzierungen möglich gemacht haben? Wenn ich z.B. ins Röm-Germ. Köln gehe und dort Fibeln sehe die feine Durchdruchsarbeiten haben, dann ist es mir ein Rätsel wie das gemacht wurde...weil ich mir vorstelle, dass "Ausstanzen" das dünne Blech zu stark verformen würde.


Liebe Nina,
beginnen wir mit der um 1550 erfundenen Laubsäge, die deswegen Laubsäge heisst, weil damit das "Laub" (also die Blätter) und ähnliche feine Ornamentteile bei Holzintarsien ausgesägt wurde.
Das Sägeblatt war ziemlich breit, die Zähne grob, der Stahl weich.In einem Goldschmiedelehrbuch von 1872 heisst es: "Die Laubsägen sind sehr schmale (0,6 - 2 mm breite) und 8 - 15 cm lange, sehr fein gezahnte aus Uhrfedern verfertigte Blättchen, die in einem eisernen Bogen (Laubsägebogen) einge- spannt werden. In seinen Erinnerungen beschreibt ein Goldschmied, wie er als Lehrling um 1890 die zerbrochenen Sägeblättchen mit Messinglot reparieren musste, weil diese "modernen", industrielle gefertigten sehr teuer waren. Feine Sägeblätter aus hochwerti-gem Stahl hat der Goldschmied also erst seit etwa 100 Jahren zur Verfügung!
Die von Ihnen mit Recht so sehr bewunderten Durchbruchs-arbeiten sind alle nach Theophilus II, Kapitel 72 mit dem Meissel durchschlagen und mit der Feile nachgearbeitet worden!
Bei den erwähnten Fibeln könnten die Durchbrüche vor dem Guss bereits am Wachsmodell ausgeschnitten worden sein.


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BeitragVerfasst: 15.12.2007, 13:35 
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Silberfeilung
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Nina hat geschrieben:
Dann gibts es im Presbyter einen kleinen Verweis auf Treibkitt, aber es gibt keine Fund für eine Kittkugel, jedenfalls ist mir leider keiner bekannt. Es mutet sehr wahrscheinlich, dass es trotzdem welche gegeben hat, da sie einfach praktisch ist... Wie steht es mit der Belegbarkeit dieser Hilfe?


Liebe Nina (Teil II),
Bei Medaillons 18./19. Jh. mit reicher Ornamentgravur sind die feinen Durchbrüche direkt mit dem Stichel eingeschnitten worden, "Repousse-Technik".
Der Hinweis auf den Gebrauch des Treibkitts (Theo. II; Kap.59 u. 78) ist eine Bestätigung dafür, dass dessen Zusammensetzung bis heute unverändert geblieben ist. Wir können annehmen, daß der Kitt auf ein Holzbrett aufgeschmolzen worden ist und dass dann das Werkstück aufgekittet wurde. Cellini bestätigt das Verfahren. Ich kenne noch den flachen Kittkasten. Wann die Kittkugel aufkam weiss ich nicht, vermutlich im 19. Jhh.


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BeitragVerfasst: 15.12.2007, 13:51 
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Silberfeilung
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Nina hat geschrieben:
Dann habe ich mit einem Bekannten die Diskussion gehabt über das Schlefen emaillierter Stücke. Der Presbyter gibt die Anleitung des Schleifens und Polierens, aber soweit ich mich erinnere nicht zur Glanzbrennung. Wir haben also die Frage, ob das Glanzbrennen etwas modernes ist, oder ob beide Sachen nebeneinander existierten.
Ein tolles Buch, Farbiges Gold beinhaltet Nahaufnahmen der Emailstücke aus der Domschatzkammer Essen, die den Schluss naheliegen das wohl nicht nachgebannt wurde, aber viele Stücke der Antike und des Mittelalters sind ja Bodenfunde, die Korrosion aufweisen und deren Oberläche leider nichts mehr aussagt.

vielleicht eine Sache noch... :flower:

wie wahrscheinlich ist eine Oberflächenfärbung von Tauschierungen? Es ist immer wieder eine Diskussion zwischen den Vertretern "alles blank" und "natürlich haben die das gebläut". Kann man da irgendetwas zu sagen? Leider sind ja alle tauschierten Bodenfunde sekundär duch das Erdreich oxidiert und haben ein Bild von gefärbten Tauschierungen mitgeprägt. Ich persönlich finde ja, je nachdem wo, beides schick, aber Geschmack ist ja kein Beweis...


Liebe Nina (Teil III),
Sie haben recht: "Das Glanzbrennen ist etwas ganz modernes!"
Mit der manufakturellen Produktion von Emailschmuck in den 1920er Jahren wurde das Verfahren eingeführt, das nur den Vorteil hat, schnell zu sein, der harte Glanz steht im krassen Kontrast zu dem wunderbaren Seidenglanz der historischen Emailarbeiten. Theophilus beschreibt das Verfahren ausführlich, wir haben heute Nassschleifpapier unterschiedlicher Körnung. Die Mühe lohnt sich! Und wenn du eine Hälfte der Platte anfeuchtest und du nicht unterscheiden kannst, welche die feuchte und welche die trockene ist - dann ist es gut (nach Theophilus).
Der Reiz der Tauschierung liegt im Farbkontrast der eingelegten Silber- oder Goldornamente und dem dunkel-bläulichen Stahl.
Trotzdem gibt es auch Beispiele, etwa bei den Prunkrüstungen, dass der Stahl poliert worden ist, auber das sind Ausnahmen.
Liebe Nina, ich hoffe, Ihre Fragen beantwortet zu haben.


Mit besten Grüssen
Prof. Dr. Erhard Brepohl


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BeitragVerfasst: 17.12.2007, 16:44 
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Vielen Dank für die ausführlichen Antworten, sie haben mir wirklich sher weitergeholfen, obwohl ich schon sagen muss, dass ich das Fehlen der Säge für das Mittelalter schon bedauere, aber für das Anfertigen der Schmuckstücke ja nicht zwingen nötwendig scheint. Heute ist ein Sägeblatt eben Massenware und nicht mehr so teuer, dass man es flicken muss.

Ein Treibbrett habe ich mal in einer Reportage über Tunesien geshen, dort hatte ein Ziseleur ein so ca. 50 x 50 cm große Kittbett auf dem er dann auch Teller etc. anfertigen konnte. Das Bett kann man ja auch beliebig drehen und müsste bei Tauschierungen auch schwer genug sein, dass es nicht wegrutscht leider kann man es dann nicht wie eine Kittkugel horizontal verstellen, aber ich werde das bei Gelegenheit mal ausprobieren und eins anfertigen.

Die Anleitung zum Polieren ist ja sehr ausführlich beschrieben und lädt auch zum nachmachen ein... bei nächster Gelegenheit nehme ich das auch mal in Angriff... aber nicht mehr dieses Jahr :)

wie ich das sehe habe ich da noch einiges zu tun, bis ich die ganzen Modernitäten abgestellt habe *gg*

Ich habe noch jedemenge Fragen was diese ganzen historischen Dinge angeht.... da lernt man ja nie aus und es ergeben sich bei der Arbeit immer wieder neue...

Ich habe z.B. eine Heiligenfibel hergestellt, die wie G. Haseloff beschreibt, einen Lehmkern hat. Als ich die Grundplatte aufgelötet habe und die Fibel damit verschlossen habe, ergab sich dann, dass sie sich aufblähte und ich mir nicht erklären konnte warum... Ich hab dann aufgehört und erstmal in die Grundpallte ein "Entlastungsloch" gebohrt, aus dem der Druck der ja anscheinend entstanden ist entweichen konnte... danach blähte sich auch nichts mehr.
Woran könnte das liegen?


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BeitragVerfasst: 21.07.2013, 18:37 
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Dear Prof. Dr. Brepohl,
I am interested in the "horseshoe-shaped" mold frame for sand casting that I believe you may illustrate in your book. I saw it on the Ganoksin web page (Figure 4.27). I am an archaeologist working on an early 17th century site and we found one of these! We know that there was a jeweler on site as early as 1608. Do you know how early this shape mold was used? Was it used for specific types of jewelry or any type of small scale work? Any other information you may have about the mold would be very much appreciated. Thank you!


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BeitragVerfasst: 21.07.2013, 20:29 
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Beverly!

For you it is normal to ask a real person, because you know his name, address and also his picture and for you it is natural he has to spend his time for your question!

Indeed this professor is very helpful if young colleagues have problems - but not with any phantom "Beverly"!

I want to know with whom I discuse.

If you want to inform me in this sense please sent to me an E-mail with a picture, because (engl.) "horseshoe-shaped" mold frame is for me not well-known.

Prof. Dr. Erhard Brepohl erhard.brepohl@t-online-de


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BeitragVerfasst: 22.07.2013, 09:17 
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Registriert: 01.12.2005, 10:17
Beiträge: 330
Wohnort: Düsseldorf
Beverly... Are these lines from you pernicketinesses, or do you really want to intodruce you to Mr. Brepohl :?: Then you needn´t write down HIS Mailadress but yours

I am not informed in what way Mr. Bepohl is further active in this forum
be patient ;)

and another thing... official language in this Forum is German


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BeitragVerfasst: 23.07.2013, 13:53 
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Beverly hat geschrieben:
Beverly!

For you it is normal to ask a real person, because you know his name, address and also his picture and for you it is natural he has to spend his time for your question!

Indeed this professor is very helpful if young colleagues have problems - but not with any phantom "Beverly"!

I want to know with whom I discuse.

If you want to inform me in this sense please sent to me an E-mail with a picture, because (engl.) "horseshoe-shaped" mold frame is for me not well-known.

Prof. Dr. Erhard Brepohl erhard.brepohl@t-online-de


Dear Moderator,
Mein Name ist Beverly Straube und ich bin eine Archaeologin von Virginia, USA. Ich habe Fragen fuer Dr. Brepohl in Referenz zu dem Buch "The Theory and Practice of Goldsmithing." Meine email Addresse is bly.straube@gmail.com. Regards


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