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BeitragVerfasst: 27.07.2007, 16:30 
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Über die Ausbildung zum Goldschmied / zur Goldschmiedin und was einen erwartet..

Inspiriert durch den Beitrag -- möchte ich etwas zur Berufs-Ausbildung zum Goldschmied / Goldschmiedin schreiben. Der folgende Text richten sich an alle, die den Beruf "Goldschmied" kennen lernen wollen und vielleicht eine Ausbildung zum Goldschmied / Goldschmiedin machen möchten und nach Informationen suchen.


Es gibt zwei Möglichkeiten, Goldschmied zu werden. Die klassische Methode ist es, bei einem Goldschmiedemeister in die Lehre zu gehen. Die Lehre dauert 3 bis 3 1/2 Jahre je nach Bundesland. Man kommt ohne Vorwissen in den Lehrbetrieb. Zu Anfang kann dies ziemlich frustrierend sein, da man ziemlich lange nur "Hilfsarbeiten" ausführen kann. Dies soll gar nicht so negativ gemeint sein, wie es sich anhört, aber oft ist es doch so, dass der Goldschmiedemeister auch noch etwas anderes zu tun hat, als sich ausschließlich um die Ausbildung des "Stiftes" zu kümmern. So ist man mit Sicherheit am Anfang sehr unproduktiv. Jetzt liegt es am Betrieb, dem Lehrling möglichst schnell sein handwerkliches Können beizubringen. Hat man einen guten Meister erwischt, so kann man bestimmt schnell etwas lernen. Ist der Meister weniger gut, so kann es sein, dass man überwiegend bei Tätigkeiten wie "gerissene Kettchen löten", "Perlketten auffädeln" oder "Thekenwischen" hängen bleibt. Dann kommen Zwischen- und Gesellenprüfung und jedes mal werden vorher stressmässig noch mal ein paar Techniken geübt. So kann eine Ausbildung auch in die Hose gehen. Nicht weil man etwa durch die Prüfung fällt, sondern weil auf diese Weise jemand der begabt und talentiert ist, während der Lehre oder spätestens nach der Ausbildung den Beruf wechseln wird. Ein weiterer Nachteil kann es sein, dass man sich -was Stil und Technik angeht- ziemlich auf den Lehrmeister fixiert.

Dennoch hat diese Art der Ausbildung auch seine Vorteile: Man gewöhnt sich von Anfang an in den Betrieb einer Goldschmiede ein. Dazu gehört im Normalfall auch der Kontakt zu Kunden (Verkaufsgespräch, Beratung, Entwurf) und auch dass man nicht, wie vielleicht bei einem sogenannten Bürojob, schon um halb fünf nach Hause gehen kann. Meistens entsprechen die Arbeitszeiten in der Werkstatt auch den Öffnungszeiten des Geschäftes.

Wichtig ist, dass man schon vor Beginn der Ausbildung wichtige Details mit dem "Chef" bzw. "Chefin" klärt! Wie läuft die Ausbildung ab? Wer unterweist mich? Wie sind die Arbeitszeiten? Nicht erschrecken, der Samstag gehört in der Regel ebenso dazu, wie Stress und Überstunden in der Vorweihnachtszeit! Kann ich auch etwas für mich selbst arbeiten z.B. an meinen freien Tag? Wie sieht mein Arbeitsplatz aus? Wie ist das Verhältnis von Werkstattarbeit und Verkauf? Muss ich mein Werkzeug selber kaufen? Idealerweise kommt man mal zum Probearbeiten vorbei. Dann weiss man gleich: Wie sind die Kollegen, komme ich mit dem Meister klar, etc.



Die andere Möglichkeit ist, dass man die ersten zwei Ausbildungsjahre an einer Schule macht z.B. Gold- und Silberschmiedeschule in Pforzheim und danach eine Anschlusslehre in einem Betrieb. In der Regel 1 1/2 Jahre, unter Umständen kann man Lehrzeitverkürzung beantragen. Dieser Weg hat einige Vorteile: In den beiden Schuljahren lernt man bei weiten mehr als im Betrieb. Techniken wie Silberschmieden, Gravieren, Steine Fassen, Emaillieren können kaum ein Betrieb so Umfangreich vermitteln, wie die Schule. Dazu kommt, dass auch der Theorieunterricht (Technologie, Fachrechnen, Zeichnen, Kunstgeschichte) umfangreicher ist, als in der Berufsschule, die man normalerweise zur Lehre begleitend besucht. Nach den zwei Jahren Schule sucht man sich eine Anschlusslehrstelle (ist in der Regel kein Problem) und beendet die Ausbildung.

Der Nachteil dieser Methode ist, dass man Defizite im Bereich Kontakt zu Kunden hat. Auch ist vielen Schülern nicht bewusst, dass der Samstag ein Regelarbeitstag ist. Sollten die Ladenöffnungszeiten noch weiter freigegeben werden z.B. Samstagnachmittag oder Sonntag, so wird sich dass direkt auf die Arbeitszeiten durchschlagen, denn praktisch jede Goldschmiede hat auch einen Verkauf. Ein weiterer Nachteil ist, dass es von diesen Schulen nicht besonders viele gibt. Es ist wahrscheinlich, dass man für diesen Teil der Ausbildung umziehen muss, dass kann man natürlich auch als Vorteil ansehen. Im Gegensatz zu der Ausbildung, die die gesamte Lehrzeit im Betrieb stattfindet, bekommt man natürlich in der Schule kein Gehalt (Vielleicht ist aber BAFÖG möglich). Da aber das Lehrlingsgehalt (zw. 150 und 300 €uro) extrem niedrig sein kann, fällt dieser Unterschied kaum ins Gewicht.



Nach mindestens 2 Gesellenjahren kann man dann die Ausbildung zum Goldschmiedemeister machen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Man kann z.B. 1 oder 2 jährige Schulen besuchen Bsp.: in Pforzheim gibt es die 1 jährige Meisterschule. Zusätzlich dazu startet alle 2 Jahre dort die 2 jährige Ausbildung zum Meister und "Gestalter".

Die Alternative zu den Ganztagesschulen sind die Meisterkurse an den Abendschulen. Das kann sich jedoch 3-4 Jahre hinstrecken und erfordert einiges an Durchhaltevermögen, denn es bleiben einige Samstage und Abende dabei auf der Strecke. Es ist aber für viele die einzige Möglichkeit, denn man arbeitet nebenher weiter und finanziert sich so seine Ausbildung selbst.

Alles in allem ist die Meisterausbildung anstrengend und teuer. Ein umfangreicher Lehrplan vermittelt das Know-How, das benötigt wird, um die vier Teile der Meisterprüfung zu bestehen:

  • Praktischer Teil
  • Fachtheoretischer Teil
  • Wirtschaftlicher und rechtlicher Teil
  • Berufs- und arbeitspädagogischer Teil

Die Kosten für die Meisterausbildung sind hoch. Hier sollte man sich auf jeden Fall umfangreich informieren. Allein die Schulkosten können sich -je nach Schule und Schultyp- um Grössenordnungen unterscheiden! Dazu kommen Prüfungsgebühren und nicht zu vergessen die Materialkosten für das Meisterstück.


Ich hoffe ich konnte ein wenig licht ins dunkle bringen.

Gruß
orangebleue


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Verfasst: 27.07.2007, 16:30 


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BeitragVerfasst: 06.12.2007, 14:44 
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Ja, ja das gute alte dualen System. Es gibt in Baden-Württemberg auch die Möglichkeit die zweijährige Berufsfachschule in Schwäbisch Gmünd zu besuchen und im Anschluss daran eine Restlehre von achtzehn Monaten in einer Goldschmiede zu absolvieren. Die Schulen führen hierzu Aufnahmeprüfungen durch.

Aber mal eine andere Frage: Sind nach bestehen der Gesellenprüfung nicht mindestens drei Jahre Berufserfahrung nötig, um die Meisterprüfung ablegen zu dürfen oder hat sich da was geändert?


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BeitragVerfasst: 06.12.2007, 17:43 
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Inzwischen wurde zum Führen eines Geschäftes der Meistertitel nicht mehr benötigt. Dadurch haben die Meisterschulen nicht mehr so viel Zuwachs wie früher und haben die Aufnahmekriterien ziemlich gelockert. Man kann gleich nach der Ausbildung den Meistertitel machen. Ist aber nicht zu raten da ohne Berufserfahrung das doch äusserst schwer ist.


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BeitragVerfasst: 07.12.2007, 00:34 
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Ich möchte dazu aus der Sicht eines alten Goldschmiedes, folgendes anmerken:

Leider ist in den vergangenen Jahrzehnten das Ausbildungsneveau immer weiter gesunken. Durch die "Befreiung" von der stumpfsinnigen Maloche und hin zur alleinseligmachenden Kreativität um jeden Preis, haben viele Kollegen die Flucht nach vorne angetreten und machen schlecht und recht nur das was sie können. Das wird dann meist hochtrabend als persönlicher Stil bezeichnet. Und sie bilden voller Stolz Nachwuchs aus. Unser Beruf kreativiert sich förmlich zu Tode, weil auf diese Weise immer weniger Leute ausgebildet werden, die wirklich noch ihren Beruf beherrschen.

Diese "Subalternen" tun sich selbstverständlich im späteren Berufsleben schwer. Viele wechseln, wie bereits weiter oben angemerkt, den Beruf. Andere wieder, setzen ein Studium drauf. Jedoch,- der Markt ist mit Diplomdesignern aller Couleur übersättigt. Schon wieder droht Harz 4. Was tun? Noch einen draufsetzen. PH, Pädagogische Hochschule, die muss, die wird es bringen! Ein Rettungsanker für Viele.

Nach Abschluss dieses weiteren Bildungsweges, sind viele der Studenten in den öffentlichen Lehrbetrieb eingetreten und unterrichten nun - richtig! Goldschmiede! Und so schließt sich der Kreislauf. Auf der Strecke bleibt jedoch unser wunderschöner Beruf, der eigentlich der wohl vielfältigste überhaupt ist. Aber nun braucht man ja weder Ausbildung noch Meisterprüfung um ihn auszuüben, eine durchaus logische Entwicklung des Verfalls! :mrgreen:

_________________
Gruß, Ulrich

Goldschmiede, Goldschmiedemeister seit 1967
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BeitragVerfasst: 07.12.2007, 14:01 
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Platincent
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Ulrich könnte einer meiner alten Lehrherren sein - einer hatte auch 60 Jahre Goldschmiederei auf dem Buckel und beschrieb ähnliches ;D

Ich möchte keine selbstbeweihräucherung starten, aber ich kann da nur zustimmen. Eigentlich habe ich nicht das Recht gegen die heutige Generation zu schimpfen, da ich im weitesten Sinne dazu gehöre. Aber auch ich kann in den letzten jahren deutliche Unterschiede erkennen. Irgendwie hatten in meiner Lehrzeit die Leute mehr Interesse an dem Beruf selbst. Die meisten strebten nach mehr Wissen, Lehrgänge wurden mit Eifer besucht und das Gelernte wurde auch nach Feierabend in eigenen Projekten und Versuchen fortgeführt.

Wenn ich mir heute die Lehrlinge anschaue, hat man doch bei vielen den Eindruck, als würden sie eine Ausbildung machen, weil man ja irgendwas machen muss. Wirkliches Interesse wie was funktioniert, warum man was so und nicht so macht usw. usf. kommt nur noch selten vor. Wenn etwas gefertigt wird, was nicht so geworden ist, wie geplant - denkt so mancher es sei eine art Bestrafung, wenn es nochmal gemacht wird. Komischerweise wird der nächste Versuch genau so lieblos zusammen gehaun wie der Erste. Es will einfach nicht in so manches Bewustsein, das es um Ihre Zukunft geht. Fortbildungen tragen kaum Früchte, sondern bei Nachfrage wie es denn gewesen sein kommt spätestens nach dem zweiten Satz "Ja, wir sind jeden Abend weggegangen und haben die Altstadt unsicher gemacht" statt - "ach, wir haben dies und das gemacht und das hat echt Spass gemacht - ich würde gerne die Tage länger bleiben/etwas in die Richtung machen und das vertiefen"

Die andere Seite sind natürlich die Lehrbetrieben. Natürlich bildet man nach dem eigenen Bedarf aus und versucht die Ausbildung in die normalen betrieblichen Abläufe zu intrigieren. Aber es steht in der Verantwortung des Betriebes auch Dinge zu zeigen die nicht mehr alltäglich sind.

Nächster Punkt sind die Gesellenprüfer. Es kann doch wirklich nicht sein, das Gesellenstücke bei der Vorlage angenommen werden, die einem Lehrling im zweiten Jahr entsprechen. (Ich sag nur, silberne Pillendose ohne Mechanik als Gesellenstück :rolleyes: ) grade hier sollte sehr genau selektiert werden. Die Gesellen von heute sind die Ausbilder von morgen!

Was die Geschichte mit dem Meisterbrief angeht... ich habe meinen Meister gemacht als es Pflicht war. Jedoch wurden kurze Zeit darauf die ersten Gerüchte über die Aufhebung bekannt. Letztendlich wurde sie ja auch aufgehoben. Mit einem lachenden und gleichzeitig weinenden Auge schaue ich auf die Kosten dieser Zeit zurück. Davon hätte ich mir auch einen Laser kaufen können. Andererseits gehöre ich so zu denen die das "Qualitätssiegel" Meister tragen dürfen. Letztendlich wird durch die aufhebung die Anzahl der Meister sinken und wir können uns aus der Masse hervorheben. Vielleicht war es also doch keine fehlinvestition^^

Aber alles hat auch seine Vorteile (das ist nun etwas gemein und auch mehr auf einer spassigen Schiene gemeint)
So mancher "fachkundige" bietet in der nächsten Zeit kaum gebrauchtes Werkzeuge und Maschienen zum halben Preis an :les:


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BeitragVerfasst: 07.12.2007, 18:38 
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Beiträge: 864
Wohnort: Krefeld
Hallo goOse,
Stimmt genau.

Du schreibst
Zitat:
Die Gesellen von heute sind die Ausbilder von morgen!


Und Hildegart Kneef hat mal formuliert " Von nun an ging's bergab!" :lach:
Das passt auch hier!

_________________
Gruß, Ulrich

Goldschmiede, Goldschmiedemeister seit 1967
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