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 Betreff des Beitrags: Gusstechnik: Der Guß mit Ossa Sepia
BeitragVerfasst: 08.02.2006, 13:51 
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Goldnugget
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Ossa Sepia

Die Ossa Sepia Schale (lateinisch = Sepia officinalis) ist der Rückenschulp
des Tintenfisches der Gattung Sepia. Die Form der Schale variiert in ihrer
Größe zwischen 10 bis 30 Zentimetern in der Länge und 5 bis 10
Zentimetern in der Breite. Den meisten ist sie eher aus dem Vogelkäfig
bekannt, an denen sich die Vögel ihre Schnäbel wetzen. Die hornähnliche
Außenhaut ist hart, die innere eine lamellenartig Kalkschicht weich
wodurch ist sie sehr gut zur einfachen Herstellung von Gussformen eignet.

Vorteile: eine rasche und billig Herstellung.
Nachteile: nur einmal verwendbar, Porenbildung
und nur für einfache Formen verwendbar.

Schon in der Antike wurde dieses Material für den Guß von einfachen
Metallobjekten benutzt. Durch Einritzen oder Abdrücken eines kleinen
Objektes in die Schale erhält man eine Negativform, die man nach
Anbringen von Guß- und Luftkanälen mit Metall ausgießen kann. Als
Metalle eigenen sich Gold, Silber, Messing oder Bronze.






Von der Ossa Sepia Schale zum fertigen Guß

Die folgenden Fotos wurden mir freundlicher weise von Steffi Schmeling zu Verfügung gestellt.
An dieser Stelle noch ein mal vielen Dank.





Als erstes wird die Ossa Sepia Schale grob auf die für das Gussstück
benötigte Größe zugesägt. Es kann je nach Gussteil nötig sein eine
dreiteilige Form herstellen zu müssen. In unserem Beispiel genügt aber
eine einfache zweiteilige. Nach dem man nun die gewünschte Größe hat
wird mit einer Feile die noch leicht gewölbte Innenfläche der beiden
hälften plan gefeilt sprich begradigt.





Nun wird die zu reproduzierende positiv Form vorsichtig in einer der
vorbereiteten Schalen gerade so viel hineingedrückt das er eine
Druckstelle hinterlässt. Nun wird die andere hälfte vorsichtig gegen die
andere gehalten und der Ring durch leichten druck passgenau in beide
hälften drücken bis die Spalte geschlossen ist. Ist dieses geschehen,
werden ohne die Stücke zu trennen, störende oder unnötige Segmente
abgesägt um die Seitenteile in ihre finale Form zu bringen. Um bei der
späteren Nachbearbeitung das zusammen fügen der beiden Seitenteile zu
erleichtern werden an den Seiten Markierungen eingesägt.





So vorbereitet, kann das Modell der Form vorsichtig entnommen werden.
Jetzt können die nötigen Korrekturen an der Form vorgenommen werden.
Auch der konisch zulaufende Trichter durch den später die geschmolzene
Legierung eingegossen wird kann nun aus beiden Seitenteilen durch
vorsichtiges herausschaben modelliert werden.





Nun kann es zum eigentlichen Guss kommen. Nach dem beide Seitenteile
fest fixiert wurden, wird das Metall in einer Schmelzschale zum schmelzen
gebracht. Dabei gilt es zu beachten das Schmelzgut möglichst frei von
Flussmittel zu halten. Flussmittel sind dazu da um Oxidationen zu
vermeiden, in Verbindung mit Kalk käme es aber zu Reaktionen die das
Gelingen des Gusses zunichte machen können. Ist das Metall flüssig, wird
es in die Form gegossen und nach ein paar Minuten unter kaltem Wasser
abgeschreckt. Nach dem alles komplett abgekühlt ist kann man das
Ergebnis aus der Form holen um es durch Nachbearbeitung fertig zu stellen

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Verfasst: 08.02.2006, 13:51 


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BeitragVerfasst: 06.06.2006, 18:50 
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Nette Anleitung :)

Es ist vielleicht zu ergänzen, dass der Gusskopf mindestens 10 g wiegen sollte,
weil dadurch ein zusätzlicher Druck erzeugt wird, welcher ein etwas besseres Ergebnis erzielt.
Dieser Effekt ist jedoch nur zweitrangig.

Wichtiger hingegen ist jedoch:
Wenn die beiden Seitenteile gut und genau geschliffen wurden, liegen diese so sauber aufeinander auf, dass nur wenig Luft beim eingießen der Schmelze entweichen kann.
Daher ist zu empfehlen, dass grade bei größeren Güssen, Luftkanäle eingeschnitten werden, welche überschüssige Luft beim eingießen entweichen lassen.
Dasselbe gilt für Formen, in welchen sich Luftblasen bilden würden. Die Luftkanäle sollten nicht zu klein angelegt werden und im oberen Teil der Gussform auslaufen.


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BeitragVerfasst: 06.06.2006, 18:51 
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Platincent
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Ups! ich war nicht eingelogt... gibt aber trotzdem :)


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BeitragVerfasst: 14.12.2006, 20:16 
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Silberfeilung
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Das hört sich sehr interessant an. Für mich als Anfänger vieleicht erstmal eine Alternative, bevor ich mir eine Sandform zulege. Aber woher bekommt mann diese Sepiaschalen? Und was kosten die so? Und woher bekommt mann so eine Schmelzschale? Welchen Brenner Benutzt mann?


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BeitragVerfasst: 16.12.2006, 17:51 
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Goldstaub
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zaphi67 hat geschrieben:
Das hört sich sehr interessant an. Für mich als Anfänger vieleicht erstmal eine Alternative, bevor ich mir eine Sandform zulege. Aber woher bekommt mann diese Sepiaschalen? Und was kosten die so? Und woher bekommt mann so eine Schmelzschale? Welchen Brenner Benutzt mann?

Ich weiß nicht, was Du gießen möchtest, aber Ich kann mir kaum vorstellen, daß eine Sandform für Dich Sinn machen würde.

Zu Ossa Sepia:
Für mich war das immer nur eine Notlösung, wenn akute Zeitnot herrscht.
Wobei ein Teil der (gegenüber anderen Vervielfältigungsverfahren eingesparten) Zeit, wieder in die Nachbearbeitung des Gußstücks investiert werden muß.
Sowohl die Oberfläche, als auch das Metallgefüge sind in aller Regel doch sehr schlecht. Allerdings kann man die typische Oberflächenstruktur durchaus gezielt als Gestaltungselement einsetzen.
Weiterhin sind mit diesem Verfahren (wie auch bei Sandguß) leider keine Hinterschneidungen möglich. Jedenfalls nicht ohne aufwändige Tricksereien.

Sepia-Schalen bekommst Du übrigens (für 1-2 €) auch über den Werkzeughandel, wie allen anderen Goldschmiedebedarf.

_________________
Gruß
Jürgen Schoner



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BeitragVerfasst: 16.12.2006, 22:28 
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Silberfeilung
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Registriert: 12.12.2006, 00:41
Beiträge: 39
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heliodor hat geschrieben:
zaphi67 hat geschrieben:
Das hört sich sehr interessant an. Für mich als Anfänger vieleicht erstmal eine Alternative, bevor ich mir eine Sandform zulege. Aber woher bekommt mann diese Sepiaschalen? Und was kosten die so? Und woher bekommt mann so eine Schmelzschale? Welchen Brenner Benutzt mann?

Ich weiß nicht, was Du gießen möchtest, aber Ich kann mir kaum vorstellen, daß eine Sandform für Dich Sinn machen würde.

Zu Ossa Sepia:
Für mich war das immer nur eine Notlösung, wenn akute Zeitnot herrscht.
Wobei ein Teil der (gegenüber anderen Vervielfältigungsverfahren eingesparten) Zeit, wieder in die Nachbearbeitung des Gußstücks investiert werden muß.
Sowohl die Oberfläche, als auch das Metallgefüge sind in aller Regel doch sehr schlecht. Allerdings kann man die typische Oberflächenstruktur durchaus gezielt als Gestaltungselement einsetzen.
Weiterhin sind mit diesem Verfahren (wie auch bei Sandguß) leider keine Hinterschneidungen möglich. Jedenfalls nicht ohne aufwändige Tricksereien.

Sepia-Schalen bekommst Du übrigens (für 1-2 €) auch über den Werkzeughandel, wie allen anderen Goldschmiedebedarf.


ohhjeee...Hilfe....was bitte sind Unterschneidungen? Und warum keine Sandform. Ich will alles gießen was mir so in den Sinn kommt *g*. Mein erstes Modell ist ein Klebertropfen aus ner Heißklebepistole. Da kommt dann ein kleener Swarowskikristall rein wenn der auf Hochglanz ist. Dann will ich noch ein keltisches Kreuz machen. Auf Papier hab ich's schon. Dann wirds lackiert damits hart wird und in Speisestärke die mit Wasser verrührt wird gedrückt. Darein kommt dann Modelierwachs. Fertig ist das Modell. (hoff ich wenigstens :-))
Ich weiß allerdings immer noch nicht wie ich am besten schmelze. Was ist Barox? Was ist am besten als Tiegel geeignet? Tontigel, Schmelzschale oder Graphit? Ich will ertmal nur Silber verarbeiten. Später auch Gold. Dummerweise hab ich schon ne Auftrag für Trauringe. Aber die werd ich wohl erstmal aus Rohlingen fertigen.


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