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BeitragVerfasst: 21.11.2006, 16:31 
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Hallo Ihr Lieben

Nun kommt etwas zum Thema Experimental Beadmaking ;)

Ich wollte wiedermal eine grosse Blumenperle mit ca. 3cm Durchmesser machen. Dies ist mir auch ganz gut gelungen, ausser dass sie mir beim Reinigen in zwei Teile zersprang. Ich hatte wohl während der Herstellung zu lange an den vielen Blümchen rumgebastelt und sie dann zum Schluss wohl zu wenig flammgetempert. Dies ist bislang die erste grosse Blumenperle die mir zerbrochen ist.


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Ich wollte sie schon wegschmeissen, da meinte meine Frau ich sollte doch einen Ring draus machen. Also machte ich mir mal Überlegungen wie ich diese halbe Perle zu einem Ring verarbeiten könnte.
Einfach auf einen Ring kleben wollte ich nicht. Was mir vorschwebte, war eine Fassung aus Silber mit einem angelöteten Ring.
Dazu braucht man jedoch Silberblech das ich nicht hatte. Was ich jedoch noch in meinem Fundus hatte, sind abgenutzte Silberkontakte aus einer alten Telefonzentrale. Diese Silberkontakte hatte ich vor etwas 15 Jahren während meiner Arbeit an den Telefonrelais ausgewechselt und gesammelt. Eigentlich weniger des Rohstoffs wegen, sondern eher als Erinnerung zum sehen wieviele Kontakte ich während der ganzen Zeit ausgewechselt habe. ;) Jedenfalls war es fast ein ganzes Kilo davon!


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Ein Teil der Silberkontakte

Doch was nun? Dieses Silber sollte doch irgendwie zu nutzen sein. Einschmelzen? Klar warum denn nicht! Etwa die Hälfte davon hat noch ein Wolframplättchen drauf, dies erschwerte die ganze Sache noch zusätzlich. Bei meinen ersten Versuchen nahm ich einen alten Suppenlöffel, in dem ich ein paar Silberkontakte an meinem Perlenbrenner zu schmelzen versuchte. Sie schmolzen auch prompt, kurz darauf leider auch der Löffel!

Also musste etwas anderes her. Einen Schmelztiegel hatte ich nicht, also musste ich mir einen solchen selber machen. Auf meiner Drehmaschiene stellte ich mir einen solchen aus rostfreiem Stahl her.


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Der Schmelztiegel nach dem ersten Gebrauch

Ein Schmelzofen musste natürlich auch noch her, diesen baute ich aus ein paar Schamottesteinen zusammen. Als Wärmequelle dient einer meiner Selbstbau Brenner. Dann also los! Den Schmelztiegel mit Silberkontakten füllen, in die vorgesehene Mulde im Ofen stellen, Gas aufdrehen, den Sauerstoff auf 15 l/min und Feuer :D :D


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Der gefüllte Schmelztiegel


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Ein Blick in die Hölle :D


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Langsam wirds warm


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Das Silber ist flüssig, das Wolfram jedoch nicht. Dessen Schmelzpunkt liegt bei ca. 3400°C, das schafft auch mein Brenner nicht! Während Silber bereits bei ca. 960°C schmilzt.


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Sobald das Silber genügend flüssig ist, wird der Schmelztigel mit einer Zange aufgenommen und auf eine feuerfeste Unterlage gekippt, das Silber läuft heraus und wird wieder fest. Das Wolfram und die Verunreinigungen bleiben im Tiegel als Schlacke zurück. Mit etwas Klopfen auf eine feste Unterlage löst sich diese. Nun kann der Tiegel gleich wieder mit Silberkontakten bestückt werden.

Das Silber wird nun in der Flamme geglüht und auf dem Amboss mit dem Hammer flachgehämmert. Zwischendurch immer wieder glühen und weiterhämmern bis das Silberblech die gewünschte Dicke hat.


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Hier zwei Reste des selbstgeschmiedeten Silberblechs

Aus dem Blech wird nun die Form der Fassung / Zarge grob ausgeschnitten und in Form geschmiedet. Anschließend wird gefeilt, geschliffen und poliert. Die Ringschiene wird aus einem etwas dickeren Blech geschnitten, gebogen und rund gerichtet. Dann zeichnet man auf ein passendes Silberblech einen Kreis im gewünschten Durchmesser auf, dorthin wird dann die vorher gefertigte Fassung mit Silberlot aufgelötet. Nach dem Beizen und Kratzen nun den überstehenden Rand absägen und alles ordentlich versäubern. Nun brauchen man nur noch die Ringschiene mittig von hinten zu verlöten. Alles noch eimal versäubern und polieren. Fertig..






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Das ist also der fertige Ring mit Fassung noch ohne Perle


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Die Perle wird mit 2 Komponenten Leim in die passgenaue Fassung geklebt und fertig ist der Ring.


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An der Hand einer Frau käme der Ring sicher besser zur Geltung als an meinem kleinen Finger ;)

So das wärs erstmal. Falls es jemand nachmachen möchte, dürft ihr euch ruhig melden bei mir. Es gibt noch einige Vorsichtsmassnahmen wie Lüftung usw. welche zu beachten sind. Anstelle von Silberkontakten eignen sich übrigens auch Silberschmuckstücke welche nicht mehr getragen werden ;)

Liebe Grüsse vom Silberschmied


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Verfasst: 21.11.2006, 16:31 


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BeitragVerfasst: 27.11.2006, 23:18 
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Geselle
Geselle
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Registriert: 29.09.2006, 23:14
Beiträge: 26
Hallo Silberschmied!!!

Dein Bericht zur Entstehung dieses schönen Ringes finde ich wunderbar!
Ich hoffe deine Frau wird sich darüber sehr freuen, an deinem Finger sieht er dann doch etwas eigenwillig aus ;D
Wofür es doch manchmal gut ist ein kleiner "Messi" zu sein.
Das hattest Du dir beim Sammeln auch nicht gedacht, daß da mal sowas Feines bei rum kommt - oder?!
Eigentlich hättest Du auch Ohrringe fertigen können, da Du ja zwei halbe Kugeln hattest, aber der Ring ist prima.

Viel Spaß noch beim goldschmieden und hobbynieren
liebe Grüsse Cathy


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 Betreff des Beitrags: Silber schmelzen
BeitragVerfasst: 28.11.2006, 23:25 
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Goldnugget
Goldnugget
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Registriert: 13.11.2005, 23:01
Beiträge: 222
Wohnort: Köln
Hallo Ihr lieben,

Edmund hat auch eine sehr gute Anleitung zu diesem Thema >> erstellt. Noch eine kleine Anmerkung am rande: mit einer ordentlich Propangasflamme kann man auch ohne zusätzlichen Sauerstoff [O2] Silber [Ag] schmelzen. Dieses kann man auch nachlesen.


P.s.: Tolle Beschreibung, Edmund :hello1:

Edmund hat geschrieben:
Ring mit Platte


Hallo Saft,

ich weiß zwar nicht, ob Deine Anfrage noch aktuell ist, da Du "bozemann's" Hinweis in diesem Forum nicht beantwortet hast. Trotzdem hier mein Vorschlag.

Soweit ich Deine Anfragen in verschiedenen Foren übersehen kann, hast Du noch keine für einen Anfänger nachvollziehbare Antwort erhalten. Ich versuche es deshalb mal.

1) Aus einem Stück 925er Silberblech, mindestens 1 – 1,5 mm stark einen etwa 5 mm breiten Streifen abschneiden. Die Länge richtet sich ach dem gewünschten Ringumfang.
2) Die beiden Enden des Streifens Abrunden, damit der Spalt später nicht kneift.
Bild


3) Die Längsseiten des Streifen sauber entgraten und etwas abrunden. Dient dem Tragekomfort. Schiene zum Ring formen

1) Blech/Drahtfassung.
I. Aus einem 0,5 – 1 mm starken Silberblech einen etwa 0,3 - 0,5 mm breiten Streifen in der Länge des gewünschten Umfangs zuschneiden
II. Blechstreifen zusammenbiegen und die beiden Streifenenden parallel schleifen. Zum Löten müssen sie sehr genau aufeinander passen. Der Reifen muss jetzt noch nicht absolut rund sein. Rundrichten erfolgt nach dem Löten
III. Von der Innenseite des Rings an der Nahtstelle Flussmittel und Silberlot anlegen.
IV. Zunächst vorsichtig erwärmen damit das Flussmittel verdampft. Dannerhitzen bis das Lot in die Naht schießt.
V. Reifen in 10%iger Alaunlösung beizen. Gut mit Wasser nachspülen und trocknen.
VI. Überflüssiges Lot sowohl von Innen als auch von Außen abfeilen und sauber schleifen.
VII. Reifen, falls erwünscht, auf einem Ringriegel rund richten.
VIII. Ein etwa 0,5 – 0,8 mm starkes Silberblech zuschneiden. Es soll rundum etwa 5 mm größer sein als der Reifen.
IX. Blech und Reifen plan richten. Wenn der Reifen auf dem Blech liegt, darf nirgendwo „Luft“ zwischen Blech und Reifen sein.

Bild
Fassung zum Auflöten vorbereitet. Muß noch nachgerichtet werden, da hinten links ein kleiner Spalt zwischen Blech und Fassung ist.


X. Lötnaht mit Flussmittel einstreichen und Lot von der Innenseite des Reifens anlegen. Vorsichtig von unten erhitzen, bis das Lot in die Naht einschießt.
XI. Werkstück beizen, mit Wasser spülen und trocknen.
XII. Überschüssiges Blech absägen, die Sägenaht feilen und glatt schmirgeln.

Die Platte kann nun auf die bereits rund gebogene Ringschiene aufgelötet werden. Vorteilhaft ist, den Ring an der Lotstelle etwas abzuflachen, um eine größere Lotfläche zu erhalten.
Ring und Platte mit Bindedraht zusammenbinden. Flussmittel und Lot auftragen und beide Teile zusammenlöten. Beizen, schleifen polieren und die Schmuckplatte einsetzen. Wenn sie geklebt werden soll empfehle ich UHU plus 300 endfest.

2) Gebördelte Platte.
I. Aus einem etwa 0,5-,08 mm starkem Silberblech (ich verwende zum Bördeln Feinsilber, weil es weicher ist) eine Ronde ausschneiden. Die Ronde muss, je nach Stärke der später einzulegenden Schmuckplatte 2-3 mm größer sein als die Schmuckplatte.
II. Aus einem etwa 10 mm starken Hartholzbrett oder einer entsprechenden Kunststoffplatte 2 Ronden in der Größe der Schmuckplatte zuschneiden

Bild
2 Kunststoffzuschnitte (Ronden) hier als abgerundetes Quadrat + gebördelte Platte


III. Auf beide Seiten des Blechs die Größe der Schmuckplatte genau mittig anzeichnen
IV. Die beiden Holz- oder Kunststoffronden von beiden Seiten des Blechs genau mittig auflegen und mit einer Schraubzwinge oder im Schraubstock sehr fest einspannen

Bild


V. Überstehendes Blech nun in eine Richtung mit einem Belzerit- oder Holzhammer umbördeln. Legt sich der Blechrand nicht sauber an die Holz- oder Kunststoffronden, Blechronde ausspannen, ausglühen, wieder einspannen und weiter bördeln.
VI. Den umgebördelten Rand der Platte plan feilen und sauber schmirgeln.
VII. Auflöten auf die Ringschiene.

Mit dieser Bördelmethode lassen sich auch andere Formen leicht realisieren.

Bild


Wenn die anderen beiden Methoden interessieren, schicke ich Dir gerne Beschreibung per PN

Edmund

Hier noch eine Möglichkeit einen solchen Ring ohne jede Lötung zu machen.

In Platte und Ringschiene zwei Löcher von ca. 1 mm Durchmesser bohren.

Bild


Löcher jeweils von der Innenseite der Schiene und der Platte etwa bis zur Hälfte der Blechstärke konisch auffräsen

Bild


An ein Stückchen Silberdraht (am Besten Feinsilber) einen kleinen Nietkopf annieten (rechts neben der Ringschiene). Dazu nimmt man den Draht am Besten hochkant in eine Flachzange. Etwa 1-2 mm des Drahtes sollen über die Zange herausragen. Jetzt zunächst mit der Hammerfinne, dann mit der Bahn einen Nietkopf anschmieden.

Schiene und Platte mit den Drähten zusammenstecken. Der Draht soll stramm in den Löchern sitzen.
Überstehenden Draht etwa bis auf 1 mm Überstand abschneiden.
Die beiden Teile zusammennieten.


:< Ich hoffe, dass "Herr Saft" doch mal wieder in dieses Forum schaut. Ansonsten ist der Beitrag vielleicht für andere Forenleser von Nutzen

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Motto: Mitreden - Meinung sagen - Wissen teilen !!!

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